Samstag, 25. April 2020
Report #76
Zustand: erschöpft.

Die Kontaktbeschränkungen schlägt mir weiter aufs Gemüt. Ich bein ein geselliger Mensch, ich brauche die Bars und Kneipen der Stadt für meine Persönlichkeit. Da bin ich Mensch, da darf ich's sein. Komische Fragen steigen in meinem Kopf auf, auf die ich nicht Stolz bin.

Wer betreut die post-traumatischen Tankstellenmitarbeiter, wenn nun täglich maskierte Menschen ihre Tankstelle betreten und sie an vorherige Überfälle erinnert werden?

Was passiert, wenn ich mir ein Hakenkreuz oder andere verfassungsfeindliche Symbole auf den Mundschutz sticke? Dürfen Polizisten sie mir abnehmen, obwohl ich dann eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit begehe und sie meine Gesundheit vorsätzlich gefährden? Oder ist das Polizeigewalt? Oder Polizeigewalt II? Falls sie das nach obriger Inspiration tun, empfehle ich ihnen das nicht in ominösen ostasiatischen "Massage"-Studios zutun. Sonst sieht das erfahrungsgemäß schwer aus mit dem Erklagen von Millionen von deutschen Steuergeldern als Schadensersatz. (Sehen Sie, wie gemein mich das alles macht? Das kann doch alles nicht gesund sein. Ach, ich bitte, jemand verstehe die Referenz, auch wenn ich mich schäme.)

Was ist die groteskeste Maske? Sturmhaube, Fetisch-BDSM-Kram? Gasmaske? Pestdoktorenmaske?

Wissen Sie zu welcher Person ich zur Zeit am meisten physischen Kontakt habe? Der Sicherheitsmann meines örtlichen Supermarkts. Im Vergleich zu den Verkäufer/innen scheint er nicht in Schicht zuarbeiten, sondern ist immer da. Da würde ich aber mal mit meiner Gewerkschaft reden, wenn ich er wäre.

Ich hatte mal, wie auch anders, spätnachts die Diskussion in einer Bar was der natürliche Lebensraum des Menschen ist. Und ganz sicher nicht 20qm alleine im dritten Stock in einem heruntergekommenen Stadtviertel einer deutschen Stadt. Aber der natürliche Lebensraum des Bieres ist das Fass. Da waren wir uns einige. Gute, alte Zeit.

Was soll's.
Kann nur bergauf gehen.
Kann nur besser werden.

Adieu unso,

Kas

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Donnerstag, 9. April 2020
Corona Ante Portas - Ein Frustspiel - Einakter
Thronsaal des Nimrod I., Gottkönig. Vor ihm versammelt zur Audienz: Die Liga der Beliebigen um mit seiner Gnaden und den Halbgöttern in Weiß den Zustand der Welt zu erörtern.

KASGRA, HEROLD: Nun, seine Heiligstkeit und die Ärzte sind bereit eure Fragen zur akutellen Lage zu beantworten.

ACHILLEUS, KRIEGSHELD: Wissen die Hippokraten, ob der Mensch sich über seine Ferse anstecken kann?

SIEGFRIED, DRACHENTÖTER - sich verrenkend: Oder über eine kleine Stelle an seiner Schulter?

MAKABER, ARZT: Schwer zu sagen, wir vermuten nicht. Aber wir wissen es nicht.

GREGOR SAMSA, KÄFER: Wissen sie ob sich ein Käfer oder andere Insekten mit dem Virus infizieren können? Oder Menschen,
die sich aufgrund einer fragwürdigen Beziehung zu ihrem Vater als Käfer identifizieren?

ASTERIOS, MINOTAUR: Oder Stiere? Kann das Virus durch Labyrinthwände dringen oder einem Faden folgen?

MORBID, ARZT: Es scheint als gäbe es wohl Fälle in denen eine Katze infiziert wurde, aber mehr ist uns nicht bekannt...

ASTERIOS, MINOTAUR - aufbrausend: Ich bin ein STIER und keine Katze!

GREGOR SAMSA, KÄFER: Ich fühle mich soo krank, wie soll ich mich da bitte mit einer Katze identifieren!?

METHUSALEM, URVATER: Wird denn genug getan um die Alten zu schützen?

DORIAN, SCHÖNLING: Und werden auch schöne Menschen geschützt, die nicht altern?

METHUSALEM, URVATER: Wird denn auch genug getan um die Alten zu schützen?

EXITUS, ARZT: Wir müssen vor allem Ruhe bewahren und Zuhause bleiben. Nur so können wir weiteres verhindern. Glauben wir.

METHUSALEM, URVATER: Was ist denn mit den Alten. Werden wir geschützt?

HANK, OBDACHLOS: Wie lange sollen wir noch zuhause bleiben?

LETHALIS, ARZT: Zum aktuellen Zeitpunkt können wir das noch nicht genau sagen. Wir müssen abwarten.

WLADIMIR, LANDSTREICHER: Warten wir ab, was er uns sagen wird.

ESTRAGON, LANDSTREICHER: Wer?

WLADIMIR, LANDSTREICHER: Godot.

ESTRAGON, LANDSTREICHER: Ach ja

MENGE: Wer?

PHILOSOPH, TOTER: Was ist eigentlich der Tod?

TOD, PHILOSOPH: Irgendwie lässt mich die Diskussion kalt.

PHILOSOPH, TOTER: Vielleicht sollten wir unsere Einstellung zum Tod im allgemeinen und im speziellen überdenken?

YODA, ALIEN: Der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist.

TOXIKOS, ARZT: Ich bin mir unsicher, ob ich ihrer Diskussion noch folgen kann...

SHAKESPEARE, DRAMATIKER: Der Rest ist Schweigen.

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Mittwoch, 1. April 2020
Report #75
Zustand: Unkritisch.
aber ich habe Sehnsüchte nach den Kneipen der Stadt.

Ich hänge zu Hause, schlafe, trinke und versinke. Ich müsste arbeiten, doch ich kann mich nicht dazu aufraffen, ich müsste was lesen, doch mir fehlt die Muße.

Ich bin fast jeden Tag draußen, spazieren, die Sonne und die frische Luft genießen.

Bewegung ist gesund.
Frische Luft ist gesund.
Sonne ist gesund.
Natur ist gesund.

Sozialer Kontakt ist gesund, aber ist nicht.
Intimität ist gesund, aber ist nicht.

Ich würde gerne wieder mehr schreiben, doch mir fehlt die Muse. Ich habe kurzeitig überlegt, hier einen Kurzgeschichten/Erzählungen-Wettbewerb auszurufen, aber hier ließt ja keiner mit. Ich habe einige grobe Ideen: Thema - Post-Corona Dystopia oder doch Post-Corona Euphoria ? Weiß ich nicht, fände ich beides spannend. Die Kreativität ist unbegrenzt.

Und sonst gestehe ich: Ich habe erstmals Online-Dating ausprobiert. Zugegeben, vielleicht nicht der beste Zeitpunkt. Oder vielleicht doch?
Ich weiß es nicht, aber es fühlt sich komisch an. Ich glaube, es ist nicht meins. Aber wieso denn nicht?

Es ist so erschöpftend sich irgendwelche kurze Texte zu schreiben, sich vorzustellen, Fragen zustellen und nie wirklich überzeugt zu sein. Auf Bildern geht einfach die Austrahlung verloren, es ist schwer Menschen so einzuschätzen:

Wie würdest du dich charakterlich in drei Worten beschreiben?

Wirklich? Wieso? Mit Verlaub, ich glaube, das ich, und jeder andere Mensch sich nicht in drei Worten zusammenfassen lässt. Oder geht es darum welche drei Wörter ich auswähle und welche angebliche Bedeutung man daraus lesen kann?

Na dann vielleicht Spaghettiplantage und Echtholzmünzkassette. Wie das sind nur zwei? Ich weiß, ich bin rebellisch. Was ein Unsinn.

Ich verstehe ja die Idee dahinter, aber so lernt man doch niemanden kennen.

Ehrlich, treu und liebenswürdig.

Uff. Was sagt das über dein Menschenbild aus, wenn du dir Ehrlichkeit als charakterliche Eigenschaft die dich charakterisiert nennst? Und welcher Untreue würde Untreue nennen? Das macht mich wahnsinnig.

Spaghettiplantage, Echtholzmünzkassette und wahnsinnig. Irgendwie fehlt noch die Alkohol-Komponente um mein Opus magnum zu vollenden. Da muss ich vielleicht noch etwas an der Münzkassette feilen, ist ja immerhin aus Echtholz und daher noch zerschreinerbar. Aber an der Spaghettiplantage wird nicht gerüttelt. Tut der Pasta nicht so gut, weiß man doch.

Ich verfalle im Unsinn, aber was ich eigentlich sagen möchte oder leider feststellen muss: Ich bin bisher nicht von den Damen überzeugt (und sie wahrscheinlich auch nicht von mir, auch wenn ich mich anständiger Verhalten habe als es hier vermuten lässt!). Zu wählerisch? Vielleicht, wahrscheinlich. Kann ich mir das leisten? Vielleicht, wahrscheinlich nicht.

Ich meine, mein Notfallplan steht: Als oberster Papa vom heiligsten Stuhl als Nimrod (I.) die Stadt Rom und den Erdkreis segnen. Da sehe ich mich nach meinem Studium, schöne Frau und du so?

Genervt feilende Grüße eines wahnsinnigen Pasta-BauersPflanzers,

Kas

PS: Ich rätsel gerade, ob man Betreiber eine Plantage wirklich auch Bauer nennt. Und nein, der korrekte Begriff scheint Pflanzer zu sein. Nichts zu danken. Digitale Lehre wird groß geschrieben in Krisenzeiten.

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Mittwoch, 19. Februar 2020
Abendroutine III
Etwas angetrunken stolpere ich mit einer Barbekanntschaft aus meiner Stammkneipe und bringe sie zur Bushaltestelle. Wir philosophieren weiter während sie auf den Bus wartet und als er endlich kommt, steigt sie ein und ich schaue ihr nach.
Auf eine weitere zufällige Begegnung in einer der verlorenen Kneipen der Stadt.

Ich gehe einige Schritte in Richtung meiner Wohnung und entscheide mich dann dagegen. Ich betrete die kleine, verrauchte Kneipe unweit der Bushaltestelle.

"Zwei Bier zum mitnehmen, bitte."
"Zuhause sterben die meisten Menschen." sagte eine hübsche Frau an der Theke neben mir und lacht mich an.
"Gut, dann doch eins für hier." sage ich zum Barmann.

Als der Barmann die beiden Bierflaschen vor mir stellt, ist sie schon wieder ins Gespräch mit einem anderen Gast vertieft.

"Das Bier zum mitnehmen kostet zwei und das zum hier trinken zweifuffzig."
Ich schaue ihn fragend an. Ich hab den Fünfer schon in meiner Hand.
"Wieso das denn?"
"Keine Ahnung. Ist doch überall so."
Ich überlege nochmal nachzufragen, weil ich es nicht verstehe, warum es teuer sein sollte, entscheide mich aber dagegen.
"Gut, dann hau ich ab. Stimmt so."

"Du gehst doch schon?" fragte sie nach als ich gehe und unterbricht ihr Gespräch.
"Ja, so habe ich fünffzig Cent gespart."

Zuhause stirbt's sich doch am besten.

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Donnerstag, 23. Januar 2020
Report #74
2020. Und genauso rastlos wie zuvor.

Ich habe gut eine viertel Stunde an dem eigentlichen Text geschrieben und ihn dann doch gelöscht. Zu wirr, unsortiert, chaotisch.

Wie ist der Stand, Kapitän?

Wir versinken im Sumpf des Stresses. Aber wenn der Kahn hält, haben wir den Sturm in drei Wochen überlebt.

Und selbst, Matrose?

Wir arbeiten an uns, wie immer, Kapitän. Irgendwann, Kapitän, ziehen wir es durch. Keine Gnade. Irgendwann.

Was bedrückt das Herz, Reisender?

Wenn ich's nur wüsst!...

Ahoi und Bon voyage,
Kas

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