Mittwoch, 5. Dezember 2018
Antisoziales Verhalten
Wir sind im Kino. Also Sie, Ich und ihr Neuer, der angeblich nicht ihr Neuer ist. Ich spare mir hier, wie es zu dieser absurd-unangenehmen Situation kam.

Wir plaudern ein bisschen während wir im Foyer darauf warten in den Saal zu dürfen. Ich halte mich zurück, doch dass was ich über ihn nebenbei erfahre, sorgt nicht dafür das ich ihn mag. Er ist aalglatt und hat kein Format. Aber immerhin war das nicht meine dumme Idee.

"Kas..., kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?" fragt er plötzlich im dreisamen Gespräch. Ich schaue ihn fragend an und zögere. Sie schaut uns beide fragend an.

Nicht mit mir.

"Um ehrlich zu sein, nein. Warum? Worüber willst du denn reden? Über mich? Da ist mir deine Meinung egal. Über dich? Das interessiert mich noch weniger. Über Sie? Über Sie will ich hinter ihrem Rücken nicht reden. Sorry."

Bumm. Überforderte Gesichter. Schweigen.

Die Tür zum Saal öffnet sich, mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen zeige ich zur Tür und setze mich in Bewegung.

... link (1 Kommentar)   ... comment


Montag, 3. Dezember 2018
Romantiker
"Du gehörst nur mir."

"Als Abolitionist lehne ich entschieden jeden Besitzanspruch eines Menschen über einen anderen kategorisch ab."

... link (1 Kommentar)   ... comment


Donnerstag, 29. November 2018
Definition von Glück
Gebt mir
einen Energy Drink,
eine Flasche Rotwein,
eine Nacht,
was zu tun
und ich bin glücklich.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 22. November 2018
Report #61
Ist es falsch zu sagen, das ich intensiv leben möchte?

Ich benutze immer wenn ich darüber nachdenke oder darüber rede den Begriff des "Gebens". Das Leben ist ein Geben und Nehmen, klar.
Aber ich brauche Dinge die mir was "geben." Ein Gefühl, eine Emotion, etwas zum Nachdenken. Eben irgendwas.

Ich glaube, daher kommt meine Offenheit und Neugier gegenüber Menschen, Neuem und Fremden. Und wenn es auch nur ein Gedankenfunke in mir auslöst hat es sich rentiert.

Ich will die Welt nicht begreifen, nicht verstehen. Ich weiß nicht was ich will und das reicht mir. Es ist eine Suche.

Ich sitze da und trinke Wein, obwohl ich die Woche über langsam versucht habe meinen Konsum herunterzufahren. Aber ich brauch es, so traurig es ist.

Es scheint absurd, wenn ich mir Mut antrinken will für Dinge, die nicht nachts nicht betrunken tun kann, doch ich hoffe das die Stimmung bleibt.

Ich muss morgen früh raus, an die Universität und Vorlesungen besuchen, danach stehen zwei Besprechungen mit meinen zwei Chefs an und danach eine Verabredung mit Kommilitionen, mit denen ich an einem Forschungsprojekt arbeite, das sich dem Ende neigt und in das ich viel Herzblut reingesteckt habe.

Es ist nicht leicht, sich Abends zu betrinken und den Tag über, oder sobald morgens wenn der Wecker geht aufzustehen und bis zum nächsten Schluck seine Leistung zu bringen. Und es ist sicher nicht gesund.

Aber jetzt sitze ich hier wie jeden Abend, Pinky und trinke meinen Rotwein. Eigentlich wollte ich einen Tee trinken, doch ich konnte der Sucht nicht wiederstehen. Ich habe mir eine Kerze angesteckt, das Licht ausgemacht, mir ein Glas ausgeschenkt und sitze da und denke nach.
Über früher, heute, morgen, was auch immer. Über das was ich will, was ich niemals haben werde und wie ich reagiere, wenn ich weiß, das ich es niemals haben werde. Ich trinke Schluck um Schluck und schaue aus meinem kleinen Fenster hinaus in die Nacht, in den dunklen Hinterhof in dem sich nichts mehr regt.
Ich will sitzen bleiben, die Flamme beobachten, wie sich sich im Glas regt und langsam Docht und Wachs verbrennt. Ich will wach bleiben, bis es wieder heller wird, so hell es eben wird an diesen frühen kalten Wintertagen. Ich will nicht schlafen bevor die Flasche Wein getrunken ist und ich will mir Zeit lassen beim trinken. Ich will die Schlücke genießen nicht weil sie gut schmecken, sondern weil sie die Schlücke sind dieser melancholisch-trüben Nacht.

Und morgen ist ein neuer Tag, wie jeden Tag. Ein Tag voller Möglichkeiten, denen ich nicht gewachsen bin. Ein neuer Tag der mich dazu bringt, den Abend so zu verbringen wie diesen Abend. Ein guter Abend.

Ich gebe mich nicht auf.
Es kann nur besser werden.
Alles wird gut.


Kas

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 14. November 2018
Report #60
"Mancherlei Abstoßendes in dem, was ich zu erzählen habe, mag durch die Verhältnisse bedingt gewesen sein."
beginnt das erste Kapitel der Einleitung in T. E. Lawrences die Sieben Säulen der Weisheit.
Über das erste Kapitel der Einleitung kam ich bisher noch nicht raus. Ich will mich ganz einlassen auf das was er schreibt - ich liebe sein Stil - und das konnte ich bisher noch nicht.

Wie's mir geht? Schwer zu sagen. Es war ein hartes Wochenende und ein noch härterer Start in die Woche. Ich trinke wieder viel. Ich nehme wieder Tabletten zum Schlafen. Ich schlafe schlecht.

Ich gebe mich nicht auf.

Ich gebe alles andere auf, was mich hemmt, was mir nichts gibt oder nicht das, was ich brauche. Italo Calvino schreibt am Ende von Die unsichtbaren Städte, das es zwei Arten gibt, nicht unter der Hölle der Lebenden zu leiden: Sie zu akzeptieren und so sehr Teil von ihr zu werden, dass man sie nicht mehr sieht oder zu suchen und zu erkennen, was in dieser Hölle nicht Hölle ist und ihr Dauer und Raum zu geben.

Scheiße, ich hätte mit beiden gerne gesprochen. Mit Lawrence über seine Zeit bei den Araber und mit Calvino über seine Zeit bei den Partisanen. Eine andere Zeit.

Ich muss aufhören zu trinken. Zumindest alleine jeden Tag. Verdammte Sucht. Scheiß Tabletten.

Sie entschuldigen meine Ausdrucksweise, aber ich mache mir Sorgen. Was soll's. Und mit der Ausdrucksweise wird's heute leider nicht besser.

Gestern war ich mit einem alten Klassenkameraden Mittagessen. Seit sieben Jahren habe ich ihn nicht mehr gesehen und das Treffen kam zufällig über einen gemeinsamen losen Bekannten zustande. Mit Verlaub, er sah scheiße aus.

Leukämie. Mittlerweile seit eingier Zeit besiegt, soweit man das besiegen kann. Ich wusste von seiner Krankheit, aber ich wusste nicht wie er aussehen würde, da er in Whatsapp kein Profilbild hatte und ich ihn auch sonst nirgends gefunden habe.

Er war nicht mehr der sechzehnjährige Junge den ich kannte, den ich im Gedächtnis hatte. Seine Haare waren licht und wohl nicht mehr richtig nachgewachsen und sein Gesicht gezeichnet, es wirkte erschöpft und fahl. Scheiße, mit dreiundzwanzig sollte man nicht so aussehen. Scheiße, tut er mir Leid.

Und ich denke, ich habe Probleme. Klar, jeden Tag verhungern Kinder in Afrika, die haben Probleme. Und jetzt kann man argumentieren, dass ich trotzdem das Recht habe auf Probleme, auch wenn afrikanische Kinder verhungern. Andere Probleme, als sie natürlich.

Und ich sitze da, trinke mein Bier, denke über meine verschwendete Zeit nach, über Sie, die ich eigentlich vergessen will, über mein Bier, das ich brauche, über das, was ich verpasse und alles andere.

Ich gebe mich nicht auf.

Ich werde was ändern. Ich nehme es mir jedes Mal vor, jeden verdammten Tag. Und irgendwann packe ich es. Ich gebe mich nicht auf.

Adieu Bruder Alkohol, bon voyage schönste Frau. Ich gebe euch auf. Es wird Zeit Probleme niederzuringen und neues anzugehen. Ich gebe anderen Dinge von nun an Raum und Zeit.

Eigentlich würde ich es hier beenden, doch eins ist mir noch wichtig: Die DKMS macht einen echt guten Job, denke ich, und wenn ihr, liebste Leser und Leserinnen, eine Chance habt euch typisieren zu lassen, macht's. Ich bin auch registriert und wenn der Brief kommt, ist es eine Selbstverständlichkeit zu helfen.

Und sonst geht ein Toast raus, an alle die Ärzte und Forscher, die ihren Grips, ihre Zeit und Kraft benutzen um den Menschen zu helfen und dieses Übel zu erforschen und zu besiegen. Das nächste Bier geht auf euch. Tiefsten Respekt und Hochachtung.

Gebt euch nicht auf.

Nachdenklich trinkende und doch zuversichtliche Grüße,
Kas

... link (3 Kommentare)   ... comment