Dienstag, 30. Oktober 2018
Report #57
Schreibe ich eigentlich nur wenn ich was getrunken habe? Zumindest trinke ich nicht nur wenn ich schreibe.

So sitze ich also hier, trinke billigen Wein für 2,79€. Direkt nach dem ersten Glas ist mir beim Versuch die Weinflasche mit einem billigen Plastikstöpsel zu verschließen, eben jener Stöpsel abgebrochen und das untere Ende in die fast volle Flasche gefallen. Dumm gelaufen. Ich habe garnicht erst versucht den Stöpsel irgendwie herauszufischen, aus Angst vor der Sauerei. Rotwein eben. Allerdings mache ich mir jetzt Sorgen, das die fragewürdige Qualität des Weines mit jeder Stunde abnimmt.
Mein ewiges Dilemma: Trinke ich die Flasche heute noch aus? Oder trinke ich den Rest morgen? Reicht mir der Rest morgen oder denke ich dann, ich könnte mir doch noch eine neue Flasche kaufen, weil ein Glas ja nicht schmeckt?
Oder trinke ich den ganzen Sixer, was will ich den morgen mit einer Flasche Bier? Die letzte Flasche als einsamer Toast an die Toten und an die Menschen, an die ich denke.

Ich würde mir Sorgen machen, nein ich mache mir Sorgen. Eine Sucht? Vielleicht. Ja, wahrschelich schon. Ja. Aber auch etwas zeremonielles. Ich trinke keinen Alkohol in Gesellschaft, nur alleine. Sonst gehen mir die Leute auf den Sack. Ist eine Lüge, aber was soll's.

Um ehrlich zu sein: Ich komme auch mal ein paar Wochen ohne aus, aber es hilft. Oder es tut so, als ob es hilft. Ich will das es hilft, aber ich weiß das es es nicht tut.

Ich mag keine Drogen, außer Alkohol. Die Leute verstehen mich nicht, wenn ich sage, das Alkohol Kunst ist. Brauen ist Kunst. Keltern ist Kunst. Brennen ist Kunst. Die Geschmacksbreite der alkoholischen Kunst ist Unerschöpflich. Wer's nicht erkennt, der hat nie gesündigt.

Rotwein für 2,79€ ist keine Kunst.

Der Sucht sei genüge getan. Zurück zu den Problemen.

Es läuft gut. Mein Leben und die Probleme. Ich war im Urlaub, großartig. Alleine natürlich. Freiheit ist eine Lüge die auf immer und ewig durch die Zeit begrenzt wird, die wir haben.

Und dann, Frauen natürlich. Was auch sonst. Was ein Irrsinn. Emotionalität, Sentimentalität ist so unfassbar großartig. Wenn man sich einen Moment nimmt und versucht seine Gefühle von außen zu betrachten, so weit es geht, muss man sich eingestehen, bei aller Vernunft, das der emontionale Geist zutiefst beeindruckend ist. Ich hasse es, wenn sich Menschen als zutiefst vernünftig und emotionalskalt darstellen. Warum nicht beide Extreme? Warum nicht zugleich zutiefst vernünftig und intensive emotional?

Ich weiß nicht, was das zwischen uns ist. Ich weiß nicht, was sie will. Ich weiß nicht, was ich will. Ich weiß nicht was das ist, was es sein soll, was es sein könnte.
Ich weiß nichts und es fühlt sich schrecklich an.
Es wird zum Spießroutenlauf des Verhaltens und zum ewigen Bereuen und vagen Interpretieren im Nachhinein. Die Gedanken zerfressen mich. Eigentlich bin ich ein Freund der klaren Worte, doch bei ihr kann ich es nicht. Ich habe Angst vor der Antwort und noch mehr Angst vor dem Gespräch.

Es liest sich so naiv, so pubertär, so kindlich. So wenig ich. Doch es ist so intensive. Liebt ihr wirklich? Ich weiß es nicht.

Ich bereue es. Was? Egal was. Ich sag ja.

Und jetzt trinke ich das nächste Glas Wein, versetzt mit Plastikstöpsel. Ich will ihn nicht wegschütten. Man schüttet Kunst nicht weg. Man genießt Kunst. Und wenn man's nicht genießen kann, dann trinkt man's einfach. Hauptsache man schüttet es nicht weg.

Mit dankbaren Grüßen an jene wenigen, die bis hierher versucht haben meinen Gedanken zufolgen oder auch nicht,
ein alles-bereuender
Kas

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Ein kleiner "Zaubertrick" um billigen Wein aufzupeppen, ist, diesen in der Karaffe mit einem Mixstab für ca. zehn Sekunden aufzuwirbeln, damit reichlich Sauerstoff in die Brühe kommt.
So "altert" der Wein in Sekundenschnelle und verbessert Geschmack, Aroma und sonstige Einbildungen.

Soll angeblich auch Profis täuschen können.

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Danke für den Tipp, werde ich bei Gelegenheit mal ausprobieren!

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Bin neugierig auf Zustimmung
... oder Ablehnung.

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